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Wiedergeburt - Topper, Uwe

Wiedergeburt - Topper, Uwe

Bei der Vorstellung von der vielfachen Wiederkehr des Menschen handelt es sich um ein seit frühester Zeit gewachsenes Weltbild, das in verschiedenartiger Gestalt und mit teilweise sich widersprechenden Vorstellungen bis heute weitergegeben wurde
 

 
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Das Wissen der Völker
 Je nach Epoche wurden andere Gedanken in den Vordergrund gestellt. Ein einheitliches Lehrgebäude können wir dabei nicht erwarten.
 
Jene Menschen der Steinzeit, für die das Gesetz der Wiedergeburt der Lebewesen eine Grundtatsache war, schlossen sich selbst sicher nicht davon aus, sondern lebten im Bewußtsein ihrer Wiederkehr. Die schon in der frühen Altsteinzeit bezeugte sorgfältige Menschenbestattung und das Schmücken der Leichen mit lebensverkündender roter Ockererde weisen darauf hin, daß man an ein Weiterleben glaubte. Wäre man wirklich der Meinung gewesen, daß der Tote nur leblose Materie sei, dann hätte sich jede Art von ritueller Bestattung, Grabschmuck und gar wiederholter Kult an den Gräbern erübrigt.
 
Das seit 150 Jahren schrittweise übersetzte ›Ägyptische Totenbuch‹, spricht fast ausschließlich von der Reise des Geistes im Jenseits und den großen Anstrengungen, die dort unternommen werden, damit eine Rückkehr in den Lebenskreislauf vermieden wird. Ähnliche Vorstellungen lehrte Zarathustra in Persien. Noch ausdrücklicher finden wir die Lehre in den indischen Weisheitsbüchern, den Veden, die mir ihrem unerschütterlichen Glauben an die strenge Wiederkehr aller Lebewesen bis heute die Grundlage der indischen Religion bilden. Buddha und Dschaina lehrten, wie man sich davon befreien könne.
 
Mit der Renaissance begann in Mitteleuropa die Rückgewinnung der Antike, doch unter dem Druck der mächtigen Kirche wurde ein völliges Wiederaufleben des Heidentums verhindert. Die Wiedergeburtenlehre gehörte zum Wissen der Elite und einiger zurückgebliebener Volksschichten. Von Lessing führte eine gerade Linie über Herder, Goethe, Kleist, Novalis, Hoffmann und Lenau – die Blüte der deutschen Klassik und Romantik überspannend bis zum eigentlichen Wiederaufleben der verschiedenen ›Reinkarnationslehren‹, die durch den Einfluß der neuentdeckten Überlieferungen des alten Indien und Ägypten die Intellektuellen Europas beflügelten. Seitdem ist dieser Gedanke aus dem europäischen Geistesleben nicht mehr wegzudenken, zeitweise hat er die größten Dichter und Philosophen zu seinen Anhängern gezählt. Daß er sich trotzdem nicht im »einfachen Volk« durchsetzte, mag als Trägheit, aber auch als Erfolg der modernen Kirchen gewertet werden. ährend noch Ende des 19. Jahrhunderts viele Universitätsprofessoren die Reinkarnationstheorie verfochten und durchzeitgenössische Erfahrungen zu beweisen versuchten, hat sich das heutige Wissenschaftsgebäude geschlossen davon abgewandt. Angesichts der nur noch statistisch als verifizierbar geltenden Maßstäbe ist eine Aussicht auf wahre Erkenntnisse in der Natur und im Kosmos verschüttet worden.
 
400 Seiten
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