„Brecht-Theater heute“ – diesen Titel finde ich eigentlich schlecht (obwohl ich ihn gebilligt habe). Es ist ein Titel, der die Frage übergeht, was denn das überhaupt ist: Brecht-Theater. Man betrachtet „Brecht-Theater“, das man bis zur Genüge zu kennen glaubt, nicht selten als eine Frage des Gesinnung, der Mode oder des Geschmacks, nicht aber als wissenschaftlichen Begriff.
Wie so oft fehlt die Wissenschaftssprache, um über Theater zu reden. Ja, die meisten Theaterleute lehnen es ab, über Theater wissenschaftlich zu reden, so wie Lyriker betroffen sind, wenn man über Lyrik sachlich redet und nicht lyrisch. Die Konsequenz wäre, dass man, wenn man über Opern redet, singt. Tatsächlich brauchen wir, um überhaupt zu verstehen, was wir da tun, wenn wir Theater spielen, und warum das, was wir da tun, anderen Leuten Spaß macht, Begriffe, die, wenn sie schon nicht widerspruchsfrei sind, doch wenigstens nicht das Gegenteil bedeuten. Das fängt beim Begriff „Brecht-Theater“ an. Wie so vieles heute ist er ein Opfer der Denker und Deuter...
232 Seiten, Softcover, 2009